// 10. März 2012 // 5 Kommentare » // Internet, Medien, Politik

Joseph Kony ist Anführer der Rebellengruppe „Lord‘s Resistance Army“, welche die Bevölkerung in Uganda, der zentralafrikanischen Republik, im Kongo sowie Südsudan, terrorisiert. Die Gruppe hat ca. 60 000 Kinder entführt, zu Soldaten gemacht und 2 Millionen Menschen vertrieben.
Spätestens seit dem 05. März 2012 weiß ein Großteil der Netzgemeinde von den Machenschaften Joseph Konys und engagiert sich mit Likes, Posts, Tweets und dem Kauf von Spendenpacks inklusive T-Shirts, Armbändern und Plakaten. Das Video „KONY 2012“ zur gleichnamigen Kampagne wurde mittlerweile allein bei Youtube rund 60 Millionen mal angeklickt. Promis engagieren sich, hier zu nennen Rihanna, P. Diddy oder Oprah Winfrey – und alle wollen mit helfen.
Hört sich doch alles ganz gut an? Für die Kritiker nicht. Sie lauern hinter jeder Ecke und versuchen, jeden noch so kleinen Funken an vermeindlicher Unaufrichtigkeit der amerikanischen Organisation „Invisible Children Inc.“ empor zu heben.
Da ist zunächst mal zu nennen, dass lediglich ein Drittel der Spendeneinnahmen wirklich ankommen – nur wo ist das Problem? Jede Organisation braucht Geld für Betrieb, Logistik, Promotion, Mitarbeiter und Reisen. Je größer diese Organisationen sind, desto weniger kommt prozentual von jedem Spender an. Ich bin der Meinung, dass es um die absolute Spendensumme geht – und die ist in den meisten Fällen bei umfangreicheren Organisationen auch entsprechend größer. Weiterhin wird stark kritisiert, dass der Film nicht mehr die aktuelle Situation in Uganda widerspiegelt, Aufnahmen veraltet sind und Zusammenhänge nicht ausreichend erläutert wurden.
Es ist eine einfache Tatsache, dass „KONY 2012“ sein Ziel, möglichst viele Menschen anzustecken, erreicht hat. Der Film ist sehr emotional und reißerisch gehalten – der Erfolg aber gibt der Machart recht. Es ist einfach so, dass der Mensch, der bei FAZ.net einen schwarzen Text auf weißem Hintergrund über Verbrechen an der Menschheit liest, zwar ein Bewusstsein dafür entwickeln kann, sich aber nicht betroffen fühlt. „KONY 2012“ ist bewusst so inszeniert, dass er ans Herz geht. Und das ist der Grund des Erfolges. Ich finde es nicht verwerflich. Meine Erfahrung war, dass ich mir nach Ansehen des Filmes weitere Informationen, die im Film nicht erläutert wurden, angeschaut und zu verstehen versucht habe.
Wenn ich nun lese „Kann ein Like die Welt retten?“, sage ich: „Ja.“ – Zumindest kann er diese Thematik an andere Menschen weitertragen. Je mehr Menschen „KONY 2012“ teilen, je mehr Medien darüber berichten – unabhängig davon, ob als Mitläufer oder Überzeugte – desto mehr Relevanz werden die Regierungen der Kampagne geben. „Invisible Children Inc.“ hat eine aufrichtige Intention, die vielleicht zu vereinfacht, aber effektiv verbreitet wurde. Was ist daran falsch? Ich sehe nichts.
Zusammenhängende Links:
• Invisible Children Inc.
• “Kann ein Like die Welt retten?”